Hockey Nachrichten

 

Fast alle Erstligisten unterstützen jetzt das Projekt Hockeyliga e.V.

Informationsabend über Ausgliederung der Bundesligen beim Münchner SC

 

Die fünfte „Roadshow“ war die letzte. Wie bei vier vorausgegangenen Informationsveranstaltungen in den letzten Wochen warb Dirk Wellen – einer der drei Sprecher der Bundesligavereinsversammlung (BLVV) im Deutschen Hockey-Bund (DHB) - auch in München für eine Ausgliederung der 1. und 2. Bundesligen in einen eigenständigen Ligaverband. Er bat um Zustimmung für die dazu erforderliche Satzungsänderung beim Ordentlichen DHB-Bundestag am 25. Mai in Grünstadt.

 

„Unsere Top-Ligen geben ein katastrophales Bild ab“, war im Clubhaus des Münchner SC auf einer der Seiten zu lesen, die Wellen, Präsident des Crefelder HTC, mitgebracht hatte. Widerspruch bekam er für diese Bestandsanalyse von keinem der rund 20 Anwesenden, darunter DHB-Präsident Wolfgang Hillmann und das komplette Präsidium des Bayerischen Hockey-Verbandes mit Präsident Harry Schenavsky, Vizepräsident Stephan Raum und Schatzmeister Michael Bork. Nach Wellens gut zweistündigen Vortrag wussten die Teilnehmer, dass in den letzten Wochen im Zusammenspiel der BLVV-Sprecher mit dem DHB und seinem Vizepräsidenten Remo Laschet sowie der DHB-Bundesratsvorsitzenden und WHV-Vorsitzenden Michael Timm viel an Grundlagen erarbeitet worden war - aber immer noch viel zu tun ist.

 

Der neue Ligaverband braucht Eigenständigkeit, um die schwerfälligen DHB-Entscheidungsprozesse hinter sich zu lassen und flexibel reagieren zu können, argumentierte Wellen. Er zeigte sich überzeugt, dass es sinnvoll sei, die 2. Bundesligen in die Ausgliederung einzubeziehen, um diese nicht abzukoppeln. Wertvolle Erkenntnisse für die Ausgliederung der Hockey-Liga bekamen die Vertreter der Hockey-Bundesligisten bei Gesprächen mit Vertretern der Volleyball-Bundesliga. Dort hat man mit diesem Thema schon fast zehn Jahre Erfahrung. Als letzte der vergleichbaren Ballsportverbände geht – neben Hockey – auch gerade der Wasserballsport die Ausgliederung seiner Bundesligen an.

 

Das Thema Finanzierung interessierte natürlich am meisten: Zum Start des Hockeyliga e.V. sind Saisonbeiträge für Zweitligisten in Höhe von 450 Euro, für Erstligisten in Höhe von 900 Euro angedacht. Geplant ist auch, dass der DHB die jährlich 60 000 Euro, die er künftig für den Bundesligaspielbetrieb einspart, zwei Jahre als Anschubfinanzierung an den Hockeyliga e.V.. Zum Start stünden dem ausgegliederten Verband als jährlich 140 000 Euro zur Verfügung. Sollte die Anschubfinanierung durch den DHB wegfallen, müssten die Saisonbeiträge entsprechend erhöht werden. In diesem Fall bekäme der DHB nicht den angedachten Fünf-Prozent-Anteil an den Vermarktungserlösen des Hockeyliga e.V.

 

Im nächsten Schritt könnte der Hockeyliga e.V. – wohl als 100-prozentiger Gesellschafter - eine Hockeyliga GmbH gründen, die dann zunehmend professioneller für Spielbetrieb, Vermarktung und Kommunikation der Bundesligen sorgen soll. Wie viel sich die Bundesligisten das kosten lassen wollen, entscheiden sie alleine, erläuterte Wellen. Um zu verhindern, dass einige wohlhabende Vereine alleine den Takt vorgeben, sehe der Satzungsentwurf für den Liga e.V. eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei Beschlüssen vor. Wellens persönliche Überzeugung ist es, dass der Hockeyliga e.V. schon bald „die ersten tief hängende Früchte ernten kann“, deren Erlöse man in die neuen Strukturen investieren kann.

 

„Wir gehen gemeinsam voran“, betonte Wellen, deshalb sei im Präsidium des Hockeyliga e.V. auch je ein Sitz für den DHB-Präsidenten und einen Vertreter der 2. Ligen vorgesehen. Der Kooperationsvertrag zwischen Hockeyliga und DHB, der Ende September vom DHB-Bundestag abgesegnet werden soll, sieht eine dreijährige Vertragsdauer vor. Bei einem Scheitern würden die Bundesligastrukturen auf den heutigen Stand zurückfallen.

 

Bis auf einen Verein unterstützen mittlerweile alle Erstligisten die Ausgliederung der Bundesligen, informierte Wellen. Er verspürte zuletzt eine wachsende Akzeptanz für das Projekt unter den deutschen Hockeyvereinen. Es gebe aber immer noch eine Gruppe von Vereinen, die die Ausgliederung der Bundesliga zu verhindern hoffen, glaubte der BLVV-Sprecher zu wissen. Sie spekulierten zumindest auf eine Vertagung des Themas auf einen außerordentlichen Bundestag.

 

„Lasst es uns angehen“, forderte zum Ende des Informationsabends in München einer der Teilnehmer. Die deutliche Mehrheit der Anwesenden signalisierte, den Prozess zu unterstützen und beim Bundestag in gut einer Woche für die notwendigen Satzungsänderungen zu stimmen. Gleichwohl wurde gefordert, zeitnah einen Businessplan aufzustellen und alle Kosten auf den Tisch zu legen. Erst dann sei das Konzept schlüssig, was Sicherheit gebe und Bedenken zerstreue. Zudem seien die schwächeren Vereine bei diesem Projekt nicht zu vergessen: „Die Schere zwischen den Großen und den Kleinen darf nicht noch weiter aufgehen.“

 

Am Abend des DHB-Bundestags in Grünstadt wollen die Bundeslisten – wenn der Antrag auf Satzungsänderung erfolgreich war - die Gründung des Liga e.V. in die Wege leiten. Und wenn nicht? Dann wird es wohl ein großes Wundenlecken geben. „Wir lassen aber auf jeden Fall nicht locker. Da ist uns das Thema viel zu wichtig“, kündigte Wellen an.

 

(Bericht: Robert Menschick)
 

 
17. August 2019
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